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Was beim Entzug passiert?

 
 

Viele Menschen, auch teils Fachkundige, gehen von einer völlig falschen Grundlage aus, wenn sie von diesen Medikamenten sprechen. Sie denken, das sei wie die Einnahme von Aspirin: etwas, das einen Effekt hat, wenn es im Körper ist und wenn es wieder draußen ist, ist der Effekt weg.

Doch wir lernen, dass das genau nicht passiert, wenn wir von Medikamenten sprechen, die die »Neurotransmitter« beeinflussen.


Was passiert, wenn man die Gehirnchemie ändert ist, dass das Gehirn selbst seine Chemie und Struktur ändert und immer bemüht ist, zur Homöostase (= Gleichgewicht zurückzukehren. Das Gehirn versucht, wieder eine (chemische) Stabilität zu gewinnen.


Ein Beispiel: »SSRI-Antidepressiva« arbeiten als »Serotonin Wiederaufnahmehemmer«. Sie bringen das Serotonin dazu, länger im synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen zu verweilen, anstatt wieder von den Zellen aufgenommen und weiterverwendet zu werden, wie das bei einem normalen, nicht medikamentierten Gehirn der Fall wäre.


So passt sich das Gehirn, welches wieder seine normale Signalübertragung und Funktion erlangen will, an die höhere Neurotransmittermenge im synaptischen Spalt an. Es fängt an, seine Rezeptoren herunterzuregulieren, sodass die Signale reduziert werden und es wieder seinem ursprünglichen Zustand (=Normalität) nahekommt. Es fährt außerdem die Menge des überall produzierten Serotonins herunter. (Anmerkung des Webautors: auch außerhalb des zentralen Nervensystems. Das meiste Serotonin wird tatsächlich im Darm produziert, es ist dort für dessen Beweglichkeit zuständig, so entsteht mit der Zeit ein sogenanntes »Serotonin-Defizit-Syndrom«)


Um das möglich zu machen, müssen Gene an- und ausgeschaltet werden. Neue Proteine müssen gebildet werden und ganze Kaskaden an chemischen Reaktionen müssen geändert werden; was nichts weiter heißt als das zusätzliche An- und Ausschalten von anderen Genen. Zellen werden vernichtet, Zellen werden neu gebildet – in anderen Worten findet eine komplexe physiologische Remodellierung statt. Dieses dauert eine Weile, das Gehirn wächst und verändert sich nicht so schnell.
Dies ist wirklich eine sehr vereinfachte Darstellung der Vielzahl an Anpassungsprozessen, die das Gehirn durchläuft, wenn wir seine normale Chemie verändern – aber es ist das Prinzip.


Wenn wir aufhören ein Medikament zu nehmen, dann finden wir nun ein Gehirn vor, das sich so angepasst hat, wie es nötig ist, um in Anwesenheit einer Arznei (halbwegs) zu funktionieren.
Nun (beim Weglassen der Arznei) jedoch funktioniert es nicht richtig, weil es sich an eine Anwesenheit eines Stoffes gewöhnt und entsprechende Funktionsmechanismen eingerichtet hat; das Medikament ist Teil seiner Struktur und Chemie.

Es ist wie bei einer Pflanze, die an einem Rankgitter entlang gewachsen ist – du kannst nicht das Rankgitter wegnehmen und erwarten, dass mit der Pflanze alles so okay ist.
Wird das Medikament weggelassen, muss sich das Gehirn wieder in umgekehrter Reihenfolge umstrukturieren / remodellieren.

So ist es nicht nur eine Frage das Medikament aus dem System zu kriegen und
weiterzumachen. […]


Der Punkt ist, so habe ich es hier beschrieben: Wir müssen eigentlich dem Gehirn zuschauen wieder neu zu wachsen.
Ich glaube dieses es-wächst-ein-neues-Gehirn passiert durchgehend während des Ausschleichprozesses; wenn wir denn langsam genug ausschleichen! Wenn es zu schnell passiert hat das Gehirn nicht ausreichend Zeit sich auszubalancieren. Außerdem ist es eigentlich nur damit beschäftigt uns grundlegend überhaupt am Leben zu erhalten. Dies passiert auch, selbst wenn kaum noch Symptome (Anmerkung des Webautors:
Entzugssymptome) vorhanden sind. Es geschieht während des Ausschleichens und noch viel länger; während unseres gesamten Genesungsprozesses und auch noch danach – darum dauert die Heilung auch so lange.


Durch verschiedene Medikamente, häufiges Medikamente-Wechseln und »Kalte Entzüge« (Anmerkung des Webautors: das Medikament wird nicht ausgeschlichen sondern abrupt abgesetzt, eine Methode, die auch heute noch in Psychiatrien vorkommt) wird all das noch viel komplizierter.
Und wenn ein Mensch sehr früh begonnen hat Psychopharmaka zu nehmen, noch ehe das Gehirn überhaupt ein komplettes natürliches Gleichgewicht hergestellt hat – nun, dann kann das nicht gut gehen. (Deswegen empfehle ich ein extrem langsames Ausschleichen bei Personen, die multiple Medikamente eingenommen haben, »Kalte Entzüge« erlebt haben, häufige Medikamentenwechsel hatten oder bereits in frühen Jahren Psychopharmaka einnahmen.)


Es ist nicht beabsichtigt Menschen zu ängstigen, sondern vielmehr eine Vorstellung davon zu geben, was eigentlich passiert.


Hoffentlich versteht man auch die Prozesse um zu lernen, wie man mit ihnen umgehen sollte. Und nicht zu letzt ist wichtig, dass man versteht, dass es eben nicht um Aspirin oder ein Glas Wein geht, welches man nur aufhören muss zu konsumieren und schon ist es aus dem Körper draußen, auch wenn viele meinen, das sei so.
Nun könnt ihr allen Menschen erklären, dass das nicht der Fall ist. Nicht das Aus-dem-Körper-Bekommen ist das Thema, sondern das Thema ist die Remodellierung und das Neuwachstum des Gehirns.
Das ist ein langer, langsamer und schwer zu verstehender Prozess, den man jedoch wirklich respektieren muss.

Quelle: www.die-psychopharmaka-falle.de

 
     
 

Absetzen planen

 
 

Die meisten Menschen, die Psychopharmaka absetzen möchten, sind fast schon in phobischen Panik- oder in lebensbedrohlichen Not-Situationen und wollen schnellstens heraus aus der Psychopharmaka Falle.

Schwere Nebenwirkungen, grausige drastische Gewichtszunahmen, manchmal sogar schwerwiegende Notfälle durch Serotoninsyndrom, Agranaluzytose etc. bringen oftmals Menschen in den Zustand des "schnellen-Absetzen-Wollens" oder aber auch des "-Müssens".

Eine Bitte an alle von euch, deren Leben gerade nicht akut bedroht ist:
Niemals abrubt, aber auch niemals zu schnell absetzen!

Ein zu schnelles Absetzen, das garantiere ich euch, führt bei deutlich mehr als jedem Zweiten zu SCHWERWIEGENDEN langanhaltenden (Jahre) Absetzsymptomen und evtl. sogar zu Lebensgefahr.
Diese Symptome werden im Falle von sogenannten Kaltentzügen eure "Erkrankung" und jedwede Schreckenszeit mit zahlreichen fiesen Nebenwirkungen um ein Vielfaches toppen, und das für viele Jahre!

Ein Absetzen muss gut geplant, ausgerechnet und vorbereitet sein.
Selbst Menschen, die nach 10%-Methode oder langsamer reduzieren werden im Entzug manchmal zu sehr kranken Menschen.

Die Symptome sind leicht zu verwechseln mit der eigentlichen Erkrankung und viele schaffen es niemals von den neurotoxischen legalen Drogen weg zu kommen.
Der Wille und das Durchhaltevermögen müssen enorm sein. Absetzen geht nicht ohne Konsequenzen, nicht von Jetzt auf Gleich.

Ihr braucht Menschen an eurer Seite, die zu 99999% zu euch halten und euch, Kinder und Haustiere ggfls. auch unterstützend versorgen.

Ein langsamer Entzug ist meiner Meinung nach jedoch mit guter Überlegung und Unterstützung machbar!!!
Richtet euch aber bitte auf einige Jahre ein.

Psychopharmaka greifen dort tief in den Organismus ein, wo alle inneren Prozesse gesteuert und beeinflusst werden.
Ihr werdet staunen welche grausamen Symptome erscheinen können.
Die Medikamente haben bereits nach ca. drei Wochen die gesamte Gehirnstruktur umgemodelt.
Bereits 2mg eines SSRI belegen über 80% aller Rezeptoren. Führt euch das vor Augen!

Aufgrund dessen ist es empfehlenswert in den unteren Dosierungen ggfls. noch langsamer zu reduzieren.
Die Psychopharmaka dem Gehirn zu schnell "wegnehmen" ist als würde man einer alten, großen Pflanze das Rankgitter von Jetzt auf Gleich einfach herausreißen.

Und alle, die gleich mehrere Psychopharmaka gleichzeitig einnehmen.
Eines nach dem Anderen! Alles andere ist Wahnsinn!

Die Verschreiber sind leider oftmals keine guten Ansprechpartner.
Wenige sind bereit externe Informationen von Patienten anzunehmen und mit dem Patienten, der dann ja sozusagen "der Schlauere/besser Ausgebildete" ist, den Weg zu gehen.

Viele Menschen werden leider über Dekaden immer wieder in Kaltentzüge forciert und kommen so niemals von den psychogenen Substanzen weg.

Die Absetzsymptome werden von den Medizinern häufig als Rückkehr der Erkrankung gewertet, als neue Diagnosen und mit weiteren und neuen Medikamenten beantwortet.

 

 
     
   
     
   
     
   
     
   
     
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